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21.10.2008

Dresden wird Modellregion für die Entwicklung von Anpassungsstrategien an den Klimawandel

Stadtansicht Dresden

Die Region Dresden wird sich in den kommenden fünf Jahren intensiv mit praktischen Maßnahmen beschäftigen, die eine gezielte Anpassung an den Klimawandel vorantreiben. Insgesamt 11 Millionen Euro fließen dazu in die Region. Ziel ist es, Dresden und sein Umland gegenüber den erwarteten Auswirkungen des Klimawandels robust zu machen und als Modellfall Impulse für andere Regionen Deutschlands zu liefern. Ein breites Bündnis regionaler Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft trägt das Großvorhaben. Heute wurde das Projekt unter Beisein der Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz, sowie des Sächsischen Staatsministers für Umwelt und Landwirtschaft, Frank Kupfer, bei der Auftaktveranstaltung im Dresdner Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zunehmende Trockenphasen, höhere Temperaturen, v. a. im Winter, abnehmende Niederschläge im Sommer und generell häufigere Extreme ? die für die Region Dresden erwarteten Klimaänderungen werden fast alle Wirtschaftszweige sowie die Lebensqualität und Standortbedingungen der Stadt und ihres Umlands beeinflussen. Welche konkreten Auswirkungen zu erwarten sind, welche Handlungsoptionen sich daraus ergeben, welche Maßnahmen umsetzbar sind und wie sich ein Bewusstsein in der Bevölkerung für die Anforderungen des Klimawandels schaffen lassen, darüber soll das jetzt gestartete Vorhaben ?Entwicklung und Erprobung eines integrierten regionalen Klimaanpassungsprogramms für die Modellregion Dresden? ? kurz: REGKLAM ? Erkenntnisse liefern.

Die entscheidenden Schlüsselbereiche für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der Region Dresden stehen im Mittelpunkt des ambitionierten Projektes. ?Wir werden uns insbesondere mit Fragen des Städtebaus, der Infrastruktur sowie mit der Landnutzung auseinandersetzen?, erklärt Professor Bernhard Müller, Direktor des Dresdner Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR), welches das gesamte Projekt koordiniert. ?Bei den erwarteten Klimaänderungen, wie zunehmende Sommerhitze oder vermehrte Starkregen und Überflutungen, sind Anpassungen von Gebäude- und Siedlungsstrukturen unerlässlich?, so Müller weiter. ?Land- und Forstwirtschaft stehen vor Veränderungen. Die Stadtentwicklung muss klimaverträglicher werden.?

Die Wasserver- und -entsorgung stehen aufgrund zurückgehender Niederschlagsabflüsse sowie hinsichtlich Überflutungen bei Starkniederschlag vor besonderen Herausforderungen. Land- und Forstwirtschaft sind künftig mit zunehmender Frühjahrs- und Vorsommertrockenheit konfrontiert ? Anpassungen an Anbaustrategien und -techniken sind auch hier dringend notwendig. Neben den erwarteten Klimaänderungen sind es aber auch die zukünftige Bevölkerungsentwicklung, die Energie- und Wasserpreisentwicklung, die Entwicklung der Stadtstruktur und die Anpassungsreaktionen der Industrie an diese Veränderungen, die Wissenschaftler und Praktiker im Vorhaben REGKLAM unter die Lupe nehmen. Nur unter Einbeziehung all dieser Rahmenbedingungen wird es möglich sein, mit realistischen Szenarien in die Zukunft der Stadt und ihres Umlandes zu schauen und die Weichen für eine positive Entwicklung der Region zu stellen.

Im ersten Schritt soll ein sogenanntes Integriertes Regionales Klimaanpassungsprogramm entstehen. Mit diesem Instrument, so das Projektkonsortium, wird es der Region Dresden gelingen, auch unter veränderten Rahmenbedingungen ein attraktiver und wettbewerbsfähiger Lebens-, Wirtschafts- und Kulturstandort zu bleiben. Der praktische Nutzen des Programms liegt in konkreten Maßnahmen für Region, Landkreise und Gemeinden, Ver- und Entsorgungsunternehmen, Land- und Forstwirtschaft sowie für die gewerbliche Wirtschaft.

REGKLAM basiert auf einer intensiven Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. Die Landeshauptstadt Dresden und ihre Region sind zentrale kommunale Projektpartner. Neben dem IÖR  sind die TU Dresden, die TU Bergakademie Freiberg, die Stadtentwässerung Dresden GmbH sowie das Dresdner Grundwasserforschungszentrum und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung Projektpartner. Eingebunden in das Vorhaben sind außerdem mehrere Unternehmen, der Regionale Planungsverband sowie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft und das Sächsische Staatsministerium des Innern.

Nur unzureichend ist bisher erforscht, wie hochkomplexe Systeme wie Städte und Regionen mit langfristigen Herausforderungen wie dem Klimawandel erfolgreich umgehen können. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) stellt daher im Rahmen seiner Initiative ?Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten (KLIMZUG)? finanzielle Mittel für herausragende Forschungsprojekte zur Verfügung. Dresden ist mit dem Projekt REGKLAM eine von bundesweit derzeit nur zwei Regionen, die durch das BMBF gefördert werden.