Kolloquium "Kooperation und Wettbewerb in polyzentralen Metropolregionen" - Welche Zukunft hat die Metropolregion Sachsendreieck?

Das Spannungsfeld zwischen Kooperation und Wettbewerb in polyzentralen Metropolregionen stand im Mittelpunkt eines Kolloquiums, das im Rahmen der Europawoche am 7. Mai 2007 im IÖR stattfand. An der Veranstaltung nahmen etwa 60 Personen teil, darunter Vertreter des Bundes, des Landes Sachsen, der Städte des Sachsendreiecks sowie Wissenschaftler. Mit der Veranstaltung knüpft das IÖR an aktuelle sowie kürzlich abgeschlossene Projekte zum Thema Metropolregionen an, welche unter anderem von der Europäischen Union, dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und dem Sächsischen Innenministerium (SMI) gefördert wurden bzw. werden.

Das Ziel des Kolloquiums war einerseits der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Metropolregionen mit polyzentralen Siedlungs- und daher auch Steuerungsstrukturen und andererseits die vertiefte Betrachtung der Situation innerhalb der polyzentralen Metropolregion Sachsendreieck. Die Referate von Jens-Uwe Staats (BMVBS) und Dr. Thorsten Wiechmann (IÖR) ermöglichten zunächst einen Einblick in den politischen sowie wissenschaftlichen Diskurs zu Metropolregionen auf europäischer Ebene. Im weiteren Verlauf gaben Referenten aus den Metropolregionen Hannover-Braunschweig-Göttingen (Dr. Reinhard Martinsen), Rhein-Neckar (Klemens Gröger) und Amsterdam (Randstad/Nordflügel) (Stef le Fèvre) Einblicke in die spezifischen Steuerungsansätze ihrer jeweiligen Metropolregion und die damit verbundenen Vor- und Nachteile. Ein Schwerpunkt lag dabei auch auf den unterschiedlichen Ansätzen zur Einbindung externer Akteure, etwa aus der Wirtschaft. Im Anschluss wurden in den Vorträgen von Margit Hegewald (SMI), Dirk Hilbert (Beigeordneter für Wirtschaft der Stadt Dresden) und Reinhard Wölpert (Geschäftsstelle der Metropolregion Sachsendreieck) sowohl die Erfahrungen aus der bisherigen Arbeit der Metropolregion Sachsendreieck dargestellt, als auch aktuelle und zukünftige Herausforderungen der Metropolregion diskutiert.

Aus der angeregten und teils kontroversen Diskussion lassen sich zusammenfassend folgende Aspekte und Erkenntnisse hervorheben:

  • In europäischen Metropolregionen bestehen unterschiedliche Ausgangslagen und Herausforderungen. Während etwa im Sachsendreieck insbesondere außerhalb der Verdichtungsräume Schrumpfungsprozesse andauern, sind andere Metropolregionen durch Wachstum, Überlastungseffekte und Wohnungsknappheit gekennzeichnet.
  • Polyzentrale Metropolregionen weisen sehr verschiedene Entstehungspfade auf. Während die Initiative etwa in der Metropolregion Sachsendreieck von der Landesplanung ausging, kam der Anstoß in der Metropolregion Rhein-Neckar von der regionalen Wirtschaft.
  • Es lassen sich unterschiedliche Organisationsmodelle von polyzentralen Metropolregionen feststellen. In der Metropolregion Rhein-Neckar etwa sind die Regionalplanung und -entwicklung sowie formelle und informelle Instrumente organisatorisch eng miteinander verknüpft. Im Sachsendreieck sowie in Hannover-Braunschweig-Göttingen sind die Metropolregionen organisatorisch von der Regionalplanung getrennt.
  • Die Einbindung externer Akteure in die Metropolregionen geschieht auf unterschiedlichen Wegen und hängt von den lokalen Voraussetzungen ab. Während sich z.B. in Rhein-Neckar die regionale Wirtschaft stark für die Metropolregion engagiert, konnte die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen auf der Grundlage einer Studie vor allem Akteure aus Wissenschaft und Forschung in die eigene Arbeit einbinden.
  • Dem Engagement einzelner Städte in polyzentralen Strukturen (Kooperation) stehen starke Eigeninteressen der Städte als Monozentren (Konkurrenz) gegenüber. Tendenziell neigen die stärksten Akteure innerhalb von polyzentralen Metropolregionen dazu sich allein als Monozentrum zu positionieren. So hat z. B. in Amsterdam ein Perspektivwechsel weg von der Randstad (Kooperation u. a. mit Rotterdam, Den Haag, Utrecht) hin zum Nordflügel (Amsterdamer + Umland) stattgefunden.
  • Häufig wird je nach Bedarf auf unterschiedliche inhaltliche und räumliche Netzwerke zurückgegriffen ("variable Geometrie"). Während die Wirtschaft und die Wirtschaftsförderung eher auf dieses flexible Verständnis von Metropolregionen setzen, scheinen Stadtplaner zum Teil bestrebt, sich auf räumlich-administrative Regionen zu verständigen.
  • Vorhandene Kooperationserfahrung in Teilregionen hat sich bei der Entstehung und Steuerung von polyzentralen Metropolregionen als hilfreich erwiesen. Insbesondere in den Metropolregionen Rhein-Neckar und Hannover-Braunschweig-Göttingen konnte auf eine schon vorhandene Vertrauensbasis aufgebaut werden, die durch jahrelange Kooperation geschaffen wurde.
  • Trotz unterschiedlichster Themen und Inhalte, spielen insbesondere europäische Aufgaben sowie eine bessere Positionierung bei der Vergabe von EU-Fördermitteln in allen Metropolregionen eine wichtige Rolle. Polyzentrale Metropolregionen dienen dabei u. a. auch der Bildung einer kritischen Masse, um auf nationaler oder europäischer Ebene, etwa im METREX Netzwerk der europäischen Metropolregionen, wahrgenommen zu werden.
  • Der Prozess der Entstehung und damit die Diskussion um polyzentrale Metropolregionen ist keineswegs abgeschlossen. Die räumliche Abgrenzung, die Themen und Inhalte, die Steuerungsformen sowie die Namensgebung sind häufig noch nicht abschließend festgelegt.

 

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Markus Egermann

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