Interdisziplinäres Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) und

Forschungsbereich Ressourceneffizienz von Siedlungsstrukturen

Modellvorhaben der Raumordnung (MORO): Planspiel "Anpassung peripherer Siedlungsstrukturen"

Problemstellung
Bevölkerungsrückgang, Alterung, Fortzüge und Betriebsschließungen können die Entwicklungsperspektiven einer Einzellage oder eines peripher gelegenen Ortsteils so stark einschränken, dass die Frage nach der grundsätzlichen Zukunftsperspektive dieses Ortsteils gestellt wird. Diskussionsauslöser sind häufig anstehende Sanierungsmaßnahmen der technischen Infrastruktur, z. B. bei Straßen, Brücken oder der Kanalisation, teilweise auch verschärft durch die nicht mehr sicherzustellende Erreichbarkeit z. B. im Rahmen der Brandbekämpfung. In der Vorstudie zum Planspiel wurden sowohl relevante kommunale Handlungserfordernisse herausgearbeitet als auch die Bereitschaft einzelner kommunaler Akteure zur Beschäftigung mit diesem Thema festgestellt. Die Handlungsoption "Strategischer Rückzug" ermöglicht betroffenen Gemeinden eine Konsolidierung ihres Infrastrukturangebots und eine Konzentration auf tragfähige Siedlungskerne und eröffnet damit neue Entwicklungsperspektiven für die Zukunft. Aufgrund der politischen Brisanz wird eine solche Diskussion jedoch fast nie öffentlich geführt. Zudem sind die Vorgehensweisen, mögliche Instrumente auf der einen Seite und die Barrieren auf der anderen Seite bisher nicht umfassend aufgearbeitet und erörtert worden. Dies umfasst technische, planerische, finanzielle und rechtliche Aspekte.

Ziel
Ziel des Planspiels ist es, in einem geschützten Rahmen ergebnisoffen die Chancen und Risiken eines "strategischen Rückzugs" aus verschiedenen kommunalen Perspektiven (v. a. Gemeinderat, Versorgerbetriebe, Bürgerinitiativen) ergebnisoffen zu erörtern sowie wenn möglich Handlungsempfehlungen an die Ausgestaltung eines entsprechenden Instrumentariums zu formulieren.

Forschungsfragen
Wie sollte ein planerischer Ansatz des "strategischen Siedlungsrückzugs"“ gestaltet sein, um betroffenen Kommunen Handlungsoptionen für einen planvollen und bewussten Rückzug aus einem langfristig nicht zukunftsfähigen Ortsteil zu ermöglichen?

Dazu sollen folgende Teilfragen bearbeitet werden:

  • Wie kann ein solcher Prozess zur Aushandlung eines Rückzugs gestaltet werden?
  • Welche Potenziale und Grenzen zur Umsetzung bestehen durch vorhandene planerische und rechtliche Instrumente, Planungsverfahren und Förderprogramme?
  • Welche Anforderungen sind an die Erweiterung bzw. Neuentwicklung entsprechender Ansätze zu stellen?

Methodik
Gegenstand des Planspiels sind vor allem von starken Bevölkerungsrückgängen betroffene Kommunen im ländlichen Raum, wobei ein besonderes Augenmerk auf periphere, kleinere Ortsteile gelegt wird.

Auf Grundlage einer Fallkonstellation, d. h. der Definition einer Ausgangssituation im Sinne eines Handlungserfordernisses, sollen die Planspielteilnehmer/-innen die Handlungsoption „strategischer Rückzug“ diskutieren und mögliche konkrete Handlungsansätze aufzeigen. Gegenstand der Fallkonstellation sind zudem die Rollendefinition für die Spieler/-innen, die inhaltlichen Grundlagen wie Gutachten und Pläne sowie eine Serie an situativ einzusetzenden Ereignissen innerhalb des Spielverlaufs.

Der Teilnehmerkreis setzt sich aus interessierten Personen aus Verwaltung, Politik und Bürgerschaft zusammen, die im Rahmen der Vorstudie Interesse an einer Teilnahme bekundet hatten. Nach Bedarf werden weitere externe Fachleute eingebunden, die beispielsweise konkrete Erfahrungen und finanzielle Orientierungswerte für technische Handlungsoptionen einbringen können.

Es sind drei zeitlich voneinander unabhängige Planspieltage vorgesehen. An einem vierten Termin sollen in einer projektinternen Werkstatt die Ergebnisse zusammengeführt und gemeinsam reflektiert werden.

Ergebnisse
Zum einen sollen Erkenntnisse zur Gestaltung eines Prozesses zur Verhandlung eines "strategischen Rückzugs" auf kommunaler Ebene abgeleitet werden (einzubeziehende Akteursgruppen, Veranstaltungsform und Ablauf, Moderation etc.). Zum anderen werden Erkenntnisse zur Anwendbarkeit bestehender Instrumente und ggf. Anforderung an deren Erweiterung oder die Entwicklung neuer Instrumente (planungs- und eigentumsrechtliche Regelungen, Planungsverfahren, Fördermittel etc.) erwartet.

Damit leistet das Projekt sowohl einen Beitrag zu planungswissenschaftlichen Fragestellungen als auch zur konkreten Politikberatung im Kontext des demografischen Wandels.