Bevölkerungsrückgang erfordert neue Konzepte der Siedlungsentwicklung

13. März 2004

Versiegeln wir künftig weniger Fläche oder benötigen wir weniger Energie, weil die Bevölkerung abnimmt? Was bedeutet eine schrumpfende Bevölkerung für unsere Städte und Gemeinden? Diese Fragen diskutierten Experten aus Wissenschaft und Praxis auf einer dreitägigen Veranstaltung im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal in Ostritz.

Abnahme und Alterung der Bevölkerung, wie sie heute schon in weiten Teilen der ostdeutschen Länder zu beobachten sind, werden in Zukunft die Entwicklung vieler Regionen, auch in Westdeutschland, prägen. Der demographische Wandel hat nicht nur Folgen für die Altersversorgung oder den Arbeitsmarkt, sondern auch für Umweltqualität und Naturschutz in Städten und Gemeinden. Darauf wiesen Kommunalvertreter, Wissenschaftler und Vertreter von Landes- und Bundesbehörden hin, die sich drei Tage lang im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal in Ostritz mit dem Thema ?Demographischer Wandel: Chance oder Gefahr für den ökologischen Umbau von Städten und Regionen?? befassten.

Auf der Tagung wurde festgestellt, dass etwa eine abnehmende Bevölkerungszahl nicht automatisch zu weniger zusätzlichem Flächenverbrauch führen wird: Der Trend zu kleineren Haushalten, zu höheren Lebens- und Wohnansprüchen und der ungebrochene Wunsch nach dem Eigenheim im Grünen in Verbindung mit dem Bauflächenangebot der Kommunen garantiert auch in Zukunft eine weitere Bebauung. Dennoch wird die Bedeutung einer Sanierung bestehender Gebäude und Wohnungen zunehmen, die möglichst viele Ressourcen und Energie spart. Dem wird die bisherige Förderpolitik des Bundes und der Länder nach Auffassung der Experten nicht gerecht.

Eine Zukunft sehen die Tagungsteilnehmer auch für dezentrale Ver- und Entsorgungskonzepte, wie z. B. Pflanzenkläranlagen oder kleine Blockheizkraftwerke. Dies sei der Tatsache geschuldet, dass in dünn besiedelten Räumen der Anschluss an zentrale Versorgungsstrukturen, wie Fernwärme oder Abwasserbeseitigung, aufgrund der hohen Kosten nicht mehr ohne Weiteres möglich wäre. Entsprechende Modellprojekte besichtigten die Teilnehmer auf einer Exkursion in die ?Energieökologische Modellstadt Ostritz?, bei der Bürgermeister Friedrich Tschirner Chancen und Möglichkeiten entsprechender Techniken erläuterte.

Die wesentlichen Ergebnisse der Tagung wurden in einer ?Marienthaler Erklärung? unter dem Titel ?Demographischer Wandel ? Herausforderung für eine ökologische Siedlungsentwicklung? zusammengefasst. ?Insgesamt gibt es zur ökologischen Siedlungsentwicklung keine Alternative, wenn unsere Städte und Gemeinden zukunftsfähig sein wollen?, brachte es Prof. Dr. Bernhard Müller, Direktor des IÖR in Dresden, auf den Punkt. ?Zentral ist der Bestand. Im Umbau von Städten und Gemeinden liegen die größten Potenziale für eine sozial- und umweltgerechte Entwicklung. Die Bedürfnisse von älteren Menschen und Singles, aber insbesondere auch von Kindern und Jugendlichen müssen dabei stärker als bisher berücksichtigt werden?. ?Konzepte und Projekte der ökologischen Siedlungsentwicklung sind unter der Annahme eines weiteren Wachstums von Städten und Regionen formuliert worden. Angesichts des erwarteten Rückgangs der Bevölkerung gehören sie auf den Prüfstand?, ergänzte Prof. Dr. Heiderose Kilper vom Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung an der Universität Hannover. Beide Institute hatten die Tagung mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt organisiert.