Forschende des IÖR mit AESOP Excellence in Teaching Award 2026 ausgezeichnet

Für ihre Lehrveranstaltung „Global Perspectives in Spatial Development“ haben Neelakshi Joshi und Alejandro de Castro Mazarro vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) den AESOP Excellence in Teaching Award 2026 erhalten. Die Association of European Schools of Planning (AESOP) würdigt damit herausragende pädagogische Ansätze in der Ausbildung von Planerinnen und Planern. Der Kurs ist Teil des Masterstudiengangs „Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement“ an der Technischen Universität Dresden.

Die Jury hebt in der Begründung ihrer Auswahl insbesondere das innovative pädagogische Konzept der beiden Lehrenden hervor. Das Auswahlkomitee zeigt sich überzeugt davon, dass die enge Verzahnung von Lernzielen, forschungsorientierten Lehrmethoden und Bewertungsstrategien ein anregendes Lernumfeld schaffe. Die Studierenden könnten sich aktiv als kritische „Raumforschende“ einbringen und sich mit realen sozioökologischen Konflikten auseinandersetzen. Nach Ansicht des Auswahlkomitees stellt die Lehrveranstaltung einen herausragenden Beitrag zur zeitgemäßen Planungsausbildung dar. Dazu trügen die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis, das internationale und inklusive Lernumfeld sowie der Fokus auf große globale Herausforderungen wie räumliche Gerechtigkeit und Nachhaltigkeitstransitionen bei. 

Die Lehrveranstaltung „Global Perspectives in Spatial Development“ (Globale Perspektiven in der Raumentwicklung) ist Bestandteil des Masterstudiengangs „Raumentwicklung und Naturressourcenmanagement“ an der Technischen Universität Dresden, der in enger Kooperation mit dem IÖR durchgeführt wird. In dem Kurs nehmen die Studierenden Orte in den Blick, an denen durch verschiedene Projekte Konflikte um den vorhandenen Raum entstehen – etwa durch den geplanten Ausbau Erneuerbarer Energien, durch grüne Infrastruktur in Städten, durch den Ansatz, Städte als geschlossene Systeme (zirkuläre Städte) zu sehen oder durch Ungerechtigkeiten, die im Stadt-Land-Gefüge sowie entlang globaler Lieferketten entstehen. 

„Im Kern geht es in der Lehrveranstaltung um die Frage: Kann räumliche Planung die negativen ökologischen und sozialen Folgen von Entwicklungsprojekten verhindern, ohne dabei unbeabsichtigt an anderer Stelle ‚Kollateralschäden‘ zu verursachen?“, erläutert Alejandro de Castro Mazarro. „Unser Ziel ist es, die Studierenden von passiv Lernenden zu forschenden und kritisch denkenden Akteur*innen zu machen.“ Um dies zu erreichen, haben die Studierenden die Aufgabe, eine „räumliche Untersuchung“ auf der Grundlage eines selbst gewählten, entwicklungspolitisch relevanten Konflikts durchzuführen. Die räumlichen Konflikte analysieren sie dabei in drei Phasen: Zunächst beschreiben sie den Konflikt und den aktuellen Stand, dann rekonstruieren sie die historische Entwicklung und bewerten schließlich Verantwortlichkeiten sowie mögliche Lösungsansätze. 

Ihre Ergebnisse fassen die Studierenden in einem Text zusammen, der im Stile des investigativen Journalismus verfasst sein soll. Hier kommt eine weitere Besonderheit der Lehrveranstaltung zum Tragen: der reflektierte Einsatz generativer KI. Neelakshi Joshi und Alejandro de Castro Mazarro stellen den Studierenden jeweils passend zum ausgewählten Fallbeispiel einen durch KI generierten Basistext zur Verfügung. Diesen Text sollen die Studierenden auf der Grundlage ihrer Analysen anreichern. „Das Ziel ist es, dass die Studierenden ihre Texte deutlich prägnanter, konsistenter, komplexer und überzeugender formulieren als die ursprünglich von der KI generierten Texte. Wir erwarten von ihnen, dass sie in ihren Arbeiten verschiedene Perspektiven berücksichtigen und sich kritisch mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitsnarrativen auseinandersetzen. Die KI soll lediglich als Werkzeug für erste Entwürfe dienen, nicht aber als Ersatz für kritisches Denken“, erläutert Neelakshi Joshi den Ansatz. 

Der AESOP Excellence in Teaching Award 2026 wurde beim 6. World Planning Schools Congress Anfang Juli in Helsinki vergeben. Eine detaillierte Beschreibung des Lehrkonzeptes ist auf der Website der AESOP zu finden. 

Über die Ausgezeichneten

Alejandro de Castro Mazarro und Neelakshi Joshi arbeiten am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) im Forschungsbereich „Landschaft, Ökosysteme und Biodiversität“. 

Alejandro de Castro Mazarro forscht seit 2019 als Postdoc am IÖR. Der aus Spanien stammende Architekt untersucht unter anderem die lokalen und räumlichen Dimensionen global erzeugter Ungleichheiten. Mit seiner Forschung zielt er darauf ab, Wege für einen gerechten Übergang zu mehr Nachhaltigkeit aufzuzeigen.

Neelakshi Joshi ist Absolventin der Dresden Leibniz Graduate School (DLGS). Seit 2021 forscht sie ebenfalls als Postdoc am IÖR – hauptsächlich zu Fragen von Energiewende und Klimagerechtigkeit in urbanen Räumen. In ihrem Postdoc-Projekt untersucht sie den Zusammenhang von Energiewende und Landschaftswandel unter anderem auch in ihrem Heimatland Indien.

Über die AESOP 
Die Association of European Schools of Planning (AESOP) ist ein Netzwerk europäischer Hochschulen mit Studiengängen der Stadt- und Raumplanung. Das Netzwerk besteht seit 1987 und zählt mehr als 150 Mitglieder. Es ist Teil des Global Planning Education Association Network (GPEAN), zu dem sich weltweit elf Vereinigungen von Hochschulen mit Planungsausbildung zusammengeschlossen haben. Die AESOP veranstaltet jährlich verschiedene akademische Konferenzen, darunter den AESOP Annual Congress, das wichtigste und größte planungswissenschaftliche Treffen in Europa. Alle fünf Jahre wird von dieser Regel abgewichen – dann findet der World Planning Schools Congress des GPEAN statt. 

Wissenschaftlicher Kontakt im IÖR
Dr. Neelakshi Joshi, E-Mail: n.joshiioer@ioer.de
Dr. Alejandro De Castro Mazarro, E-Mail: a.decastroioer@ioer.de

 

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. wird gemeinsam durch Bund und Länder gefördert.

FS Sachsen

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.