Nach dem Augusthochwasser 2002 im Einzugsgebiet der Elbe, welches die größten je registrierten Hochwasserschäden in Europa verursachte, konzentrierten sich die meisten Aktivitäten auf den Wiederaufbau sowie die ökonomische und soziale Unterstützung der Betroffenen. Der Beitrag der Wissenschaft beschränkte sich zunächst auf die Erhebung und Auswertung von Daten, um das Ereignis zu beschreiben. Unter der Annahme, dass die Zeit nach einem Hochwasser auch bereits die Zeit vor einem nächsten Hochwasser ist, stellen sich jedoch viele Fragen nach der Zukunft des Hochwasserrisikomanagements. Diese Fragen werden in erster Linie durch die hydrologischen Wissenschaften aufgeworfen. Beim Blick auf die Komplexität der Wirkungen des Hochwassers wird die Notwendigkeit nach einem umfassenden transdisziplinären Ansatz offenbar. Das bedeutet, dass sowohl Naturwissenschaften wie auch Ingeneur-, Planungs- und Geisteswissenschaften im Sinne eines gesellschaftlichen Hochwasserrisikomanagements ausgerichtet werden müssen. Jedoch fehlen bislang wissenschaftliche Zugänge, die der Komplexität des Anliegens gerecht würden. Diese müssen ein hohes Maß an Grundlagenforschung sowie angewandter und akteursorientierter Forschung integrieren.
Die Erkenntnis, dass die geforderte Komplexität nicht durch ein einzelnes Institut abgedeckt werden kann, führte 2003 zur Gründung des Dresden Flood Research Center (D-FRC). Es ist angelegt als Plattform für die Integration der beteiligten Institutionen untereinander sowie mit den europäischen Partnern des Zentrums. Ein Ziel des Zusammenschlusses ist es, Forschung in den Bereichen Hochwasserrisikoanalyse und -management, sowie im Hinblick auf effektive und effiziente Methoden der Hochwasservorsorge, des Ereignismanagements und der Nachsorge durchzuführen. Daher arbeiten Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen. Der Hauptbezugspunkt der Forschung des Dresden Flood Research Center ist das transnationale Einzugsgebiet der Elbe. Gleichzeitig orientiert sich die wissenschaftliche Arbeit an gesamteuropäischen Belangen und berücksichtigt Erkenntnisse aus anderen Teilen Europas und Welt.